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Rheinsteig-Extremlauf: Mit Trippelschritten die Berge hinauf
Von Gregor Elskamp am 28.05.12
An der Startlinie vom Rheinsteig-Extremlauf in Bonn steht in allererster Reihe ein Drache. Viel Spaß, denke ich, wenn Du mit diesem Ganzkörperkostüm 34 km durchs Siebengebirge rennen möchtest. Entweder bist Du hier der Animateur für den ersten Kilometer, oder Du hast eine Wette verloren und einen richtig langen Lauf vor Dir. Der Startschuss fällt und der Drache läuft locker als Erster los. Also Animateur. Doch der Drache entfernt sich schnell aus meinem Sichtfeld und ward für den Rest des Laufes nicht mehr gesehen. Merkwürdig. Das sieht nicht nach Animateur aus.
Über mich selbst wundere ich mich auch ein bisschen. Außer dem Drachen sind schon auf den ersten Kilometern nur noch ein Handvoll Läufer vor mir. Entweder habe ich einen ziemlich guten Tag oder hinten raus kommt die Quittung. Vielleicht sind es auch nur die ersten Kilometer, die noch nicht so steil sind. Warten wir mal ab. Auf der ersten Hälfte bin ich zum Glück nicht allein. Ein Läufer vom ASV Köln ist bei mir, abwechselnd läuft einer von uns vor. Wenn es hoch geht, zieht der ASVler ein Stück weg, bergrunter dauert es nicht lange, bis ich wieder dran bin. Mit langen Beinen läuft es sich da besser, mein Mitläufer ist mindestens einen Kopf kleiner als ich.
Als ich irgendwann bergauf an ihm dran bleibe, murmelt er etwas von locker laufen und es würden noch einige Anstiege kommen. Das werte ich einfach mal als Schwäche und verabschiede mich nach vorne. Kurz danach läuft ein Holländer mit Trinkrucksack in einem recht flotten Tempo an mir vorbei. Der sieht fit aus, ich lasse besser die Finger von ihm und ihn ein Stück davonziehen.
Kurz vor dem Drachenfels schickt mich ein Ordner eine steile Passage mit dem Kommentar hoch, dass ich jetzt gehen dürfe. Ich hoffe nicht, antworte ich, denn mein Ziel ist es, die Stecke durchzulaufen. Das Stück gehört zu den steilsten des ganzen Kurses, aber mit Trippelschritten komme ich zum Glück laufend oben an. Auch den Petersberg hoch und zur Löwenburg war es so steil, dass man kaum laufen konnte. Die Strapazen sind es wert. Die Strecke geht größtenteils über Naturwege, ist abwechslungsreich und man hat einige Male einen tollen Blick auf den Rhein. Kein alltäglicher Lauf und sehr empfehlenswert für Läufer, die einmal etwas anderes machen möchten.
Am Wendepunkt auf dem Drachenfels sehe ich, dass dicht hinter mir ein paar Läufer sind. Könnte Gesellschaft geben. Ich vertraue auf meine langen Beine und bergab sehe ich auch gegen den Holländer besser aus. Als er sich nach ein paar Kilometern verdächtig viel Zeit an der Verpflegungsstelle lässt, bin ich wieder dran. Jetzt bloß kein anstrengender Zweikampf. Der Kurs ist schon herausfordernd genug und ich möchte doch eigentlich nur einen schönen Lauf machen.
An der Verpflegungsstelle meint ein Helfer zu mir, ich solle nicht so schnell trinken. Hallo? Ich habe es eilig, ich bin im Wettkampf. Danke für den Tipp. Der Holländer scheint Probleme zu haben und läuft langsamer. Ab da bin ich für die restlichen ca. 12 km ganz alleine. Ich liege auf Platz fünf und bin bestens zufrieden. Ich habe das Gefühl, besser unterwegs zu sein als bei meiner ersten Teilnahme vor fünf Jahren und mache mir auch nichts draus, dass die letzten Anstiege richtig weh tun. Kenne ich schon, das war beim letzten Mal nicht anders.
Die letzten Kilometer gehen nur noch bergab. Nach 2:46 Std erreiche ich das Ziel auf der Insel Grafenwerth drei Minuten früher als 2007. Perfekt. Und Platz drei in der M40 ist auch eine feine Sache. Der Drache ist schon lange im Ziel. Der soll noch bis zum Petersberg in seinem Kostüm gelaufen sein und hat trotzdem mit acht Minuten Vorsprung gewonnen. Klasse.
Michael Schmitz hat leider keinen guten Tag. Er muss sich vom ersten Berg an quälen und ist im Ziel etwas langsamer als im Vorjahr. Michael hatte zum Glück schon einen Superlauf in Wien. Beim nächsten Mal wird es wieder besser laufen.
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